06. Juli 09

Kuehlschrankmagnete und ein verhuelltes junges Maedchen

Kuehlschrankmagnete sind das naechste grosse Ding, sagt mein Tischnachbar hier im Cafe Woyton in Duesseldorf mit Blick auf ein Betonmonument der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich habe gerade telefonisch einen Container aus Ceylon geordert. 10 Mio. Stueck. Riesen Gewinnspanne. Tja, die Menge machts... Dann stellt er sich als Klaus Paulchen vor. Trotz seines ziemlich deutsch klingenden Namens sieht er sehr suedlaendisch aus. Schwarze Haare, schwarzer Schnaeuzer. Dazu seltsam geschmacklose Kleidung. Aber man soll einen Menschen ja nicht nach seinem Aeusseren beurteilen...

Kurz zuvor auf dem Weg zum Cafe spricht mich in der Altstadt ein junges Maedchen an. Sind Sie schon 20 Jahre alt oder darueber? Ob dieser Frage muss ich sehr lachen, obwohl mir schon seit einiger Zeit nicht mehr danach zumute ist (ausser nach ein paar Drinks). Ich glaube schon, antworte ich, noch immer lachend. Sie fragt weiter: Rauchen Sie vielleicht? Haben Sie eine Zigarette fuer mich? Nein, ich rauche nicht, tut mir leid, antworte ich.
Das junge Maedchen hat sich einen dunkelbraunen Schal so vollkommen um den Kopf gewickelt, dass absolut nichts von ihrem Gesicht zu sehen ist. Sie hat noch nicht einmal Sehschlitze fuer die Augen frei gelassen. Ein weiteres junges Maedchen, unverhuellt, filmt die Szene mit ihrem Handy.
Als ich schon im Weggehen begriffen bin, erklaert das verhuellte Maedchen noch: Ich muss mich verstecken, da ich in Amerika aus dem Gefaengnis ausgebrochen bin und gesucht werde. Ich antworte, ja das merkt man, Sie sprechen ja auch Englisch. Sie antwortet: Oh...Aehhh...sure, english...good bye... Ich sage auch Good Bye und freue mich ueber das kleine Erlebnis.

Hinweis zum Schluss:
Eines der beiden oben beschriebenen Erlebnisse entspricht nicht der Wahrheit. Wer die Wahrheit herausfindet, darf sie behalten - und bekommt von mir ein Getraenk seiner Wahl im Cafe Woyton in Duesseldorf mit Blick auf ein Betonmonument der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts spendiert. Also, bitte kommentieren...

Currently playing in the background: Rudi Schuricke - Florentinische Naechte

Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis (or:  "...als das schöne Vermächtnis...")
einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungen
als die schönste Musik.
Und ich frug, wer sie ist:   (or: "...und ich frug, wie sie hieß..."
Rafaela hieß sie;
und sie hat mich geküßt,   (or: "...und ich hab' sie geküßt...)
ich vergesse sie nie.
Florentinische Nächte,
du Italia bella,                    (or: "... o Italia bella ...)
und auch du, Rafaela,
komm' noch einmal zurück!   (or: "... komm' doch einmal ..."

Ich seh' im Geist die Schenke vor mir,
hör' den Gesang bei offener Tür,
und trete ein und du singst tief dich in mein Herz hinein.
Ich küss' im Geist dein nachtschwarzes Haar,
und deiner Augen trauriges Paar,
und durch die Adern strömt mein Blut
wie schwerer roter Wein.
Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis  einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungen
als die schönste Musik.
Und ich frug wer sie ist:
Rafaela hieß sie
und sie hat mich geküßt,
ich vergesse sie nie
Florentinische Nächte,
du Italia bella,
und auch du Rafaela
komm' noch einmal zurück!
O komm' zurück!
O komm' zurück!

30. Juni 09

Something About Ghosts

Matt_elliott


Dietmar alone at home
= Vodka and Matt Elliott 


29. Juni 09

Raucherecke

In dieser Industriestadt darf inzwischen nur noch an ganz abgelegenen, nicht öffentlich einsehbaren Plätzen geraucht werden. Und dann auch nur geschlechterspezifisch getrennt.

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Currently playing in the background: Smoke - High In A Room

Force The Hand Of Chance

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Currently playing in the background: Christian Death - When I Was Bed

So viel Zeit muss sein

Ich fliege freiwillig bei strahlendem Sonnenschein in ein Land, in dem ich, obwohl es gar nicht so weit von Deutschland entfernt liegt, noch nie gewesen bin und in dem es noch mehr regnet als in Duesseldorf. Die normalen Fluesse sind dort schon so breit wie sonst ueberall auf der Welt die Meeresbuchten.

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Nach der Landung in der Hauptstadt muss ich sofort weiter in eine ca. 70 km entfernte Industriestsadt, da ich noch am selben Abend den 1. wichtigen Termin habe. Ich hatte im Vorfeld keinerlei Zeit, mich um irgendwelche Verkehrsverbindungen zu kuemmern. Der Airport Shuttle faehrt jedoch direkt bis zur Railwaqy Station. Das Wetter ist stuermisch und regnerisch. Was ich an Vororten waehrend der Busfahrt sehe, gefaellt mir und Ich fuehle mich sofort wohl. Schoene, charmante, alte Haeuser und Siedlungen. Die Railway Station ist klein und alt + hat ebenfalls Charme. Von dort fahren in einem Rhythmus von 15 Minuten die Zuege zu meinem Bestimmungsort.

Auf dem Weg zum Bahnsteig kommt mir Inspektor Rebus entgegen. Er hat jedoch nicht viel Zeit, denn er muss gerade wieder einen kniffligen Kriminalfall loesen und nebenbei noch - wie fast jeden Tag - seinen Kater mit einem Irn-Bru und 2 Alka Seltzer bekaempfen. Waehrend der Zugfahrt erscheint DI Rebus noch mehrere Male, wenn diesmal auch nur virtuell in meinem Kopf. Einmal weist er mich darauf hin, zum 1. Mal in meinem Leben ein Irn-Bru zu trinken. Normalerweise mag ich ja so ein Zuckerzeug nicht, jedoch moechte ich mich mit den Gepflogenheiten der Einheimischen so weit als moeglich vertraut machen.
Und ja, es schmeckt wirklich gut, hat einen ganz individuellen Geschmack und aus meiner Sicht das Zeug, in Deutschland neben der jetzt ueberall anzutreffenden Bionade zum Kultgetraenk zu werden. Ich mache eine virtuelle Notiz in meinem Kopf, das mit in meine Importplanungen fuer mein neues Business einzubeziehen.

Die Landschaft, die am Zugfenster vorbeizieht, ist - ob des vielen Regens - natuerlich aeusserst gruen und fruchtbar. Sie hat eine ganz eigene Energie und ein spezielles Aussehen, so wie ich es noch nie empfunden habe. Nach zwei Dritteln der Strecke aendern sich jedoch Landschaft und Energie. Alles wird x-beliebig und langweilig. Dieser Eindruck setzt sich am Zielort fort. Ich komme in einer langweiligen, haesslichen Industriestadt an, die aussieht wie 1000 andere Staedte auch.

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Mein Hotel ist gut zu Fuss vom Bahnhof aus zu erreichen und preiswert und zweckmaessig. Ich beschwere mich jedoch erst einmal aus irgendeinem an den Haaren herbeigezogenen Grund lautstark bei der Rezeptionistin, nur um ihr zu zeigen, wo der Barthel den Most holt. Damit sie wieder besser draufkommt, poppe ich sie sofort danach in dem kleinen Buero hinter dem Empfangstresen, waehrend die naechsten Gaeste schon warten. So viel Zeit muss jedoch sein. Bei ähnlichen Gelegenheiten habe ich festgestellt, dass vor allem Japaner sehr geduldig sind. Einmal dauerte es 5 Stunden, bis die Rezeptionistin (eine junge Frau aus Wales) und ich mit poppen fertig waren, da sie mittendrin einen Scheidenkrampf bekam und wir so lange warten mussten, da alle verfuegbaren Aerzte und Krankenwagen im Einsatz beim gerade zu diesem Zeitpunkt in dieser Stadt stattfindenden G8-Gipfel waren. Autonome, Clowns Armee und Schwarzer Block hielten die ganze Stadt in Atem, da die Staatsmacht nicht fruehzeitig und konsequent genug gegen sie eingeschritten war. Waehrend also draussen der Baer los war, stand ich mit heruntergelassener Hose in der offenen Buerotuer, so dass eine Reisegruppe von Japanern beiderlei Geschlechts mit gutem Ausblick auf mein Hinterteil am Empfangstresen warten musste, waehrend ich einen Abgang nach dem anderen bekam. Die Japaner murrten jedoch kein einziges Mal und warteten brav, bis ein endlich eintreffender Arzt mit einer Spritze die Rezeptionistin und mich aus unserer misslichen Situation befreite.

Nach der Popperei (dieses Mal zum Glueck ohne Komplikationen) dusche ich mich (auch so viel Zeit muss sein) und nehme meinen Termin wahr. Anschliessend fahre ich mit dem Taxi (ich mag die speziellen in diesem Land gebraeuchlichen Gefaehrte) wieder ins Hotel, um an der Bar noch ein paar Drinks zu nehmen. Ich fachsimpele mit dem afrikanischen Barmann ueber Kenia und speziell den Stamm der Luo. Seitdem ich Melissa kennengelernt habe, deren Grosseltern Nachbarn von Barrack Obamas Grosseltern waren (alle dem Stamm der Luo angehoerend), meine ich, da mitreden zu koennen.

Da kein einziges weibliches Wesen mehr am Tresen steht, muss ich noch einmal raus in die umliegenden Bars, um mir noch etwas zum Poppen fuer die Nacht zu besorgen. Einmal am Tag reicht mir manchmal nicht.


Blick aus meinem Hotelzimmer in nüchternem Zustand (eine typische hässliche Industriestadt):

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Blick aus meinem Hotelzimmer nach etlichen Drinks (von der hässlichen Industriestadt ist nicht mehr viel übrig geblieben...):

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Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache:
Die ganze Popperei hier erscheint als Reminiszenz an einen gewissen Helge Schneider (den einzigen legitimen Nachfolger von Karl Valentin), der fast auf den Tag genau so alt ist wie ich und das Wort Poppen in die hohe Literatur eingefuehrt hat.

Currently playing in the background: Buffalo Daughter - Psychic-A-Go-Go

Self-Portrait 2

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Currently playing in the background: Black Hollies - Patient Sparrow

25. Juni 09

Unter Hippies oder 'Die Verwalter'

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In einer hässlichen Industriestadt in einem gar nicht so weit von Deutschland entfernten Land spielen ein paar Pioniere der Industriellen Musik. Sie nennen sich immer noch - oder besser schon wieder - Throbbing Gristle. Während des Konzerts - das aus mir unerklärlichen Gründen zum grössten Teil mit vollkommen in Festbeleuchtung getauchter Bühne stattfindet - kommt mir der Gedanke, dass sich die musizierenden Herren und Damen eigentlich 'Die Verwalter' oder 'Die Verwalter von TG' nennen sollten. Denn nichts anderes tun sie: Die Töne und vor allem die Attitüde von vor 25 - 30 Jahren konservativ und rückwärtsgewandt ohne jegliche Weiterentwicklung oder ironische Brechung verwalten und jetzt noch einmal auf der Bühne zum Besten geben. Irgendwie erinnert mich das und auch das Publikum an stehengebliebene, konservative Hippies, wie man sie auf dem abgewrackten heutigen Haight Ashbury in San Francisco erleben kann. Dass einer der Protagonisten inzwischen wie einer dieser Haight Ashbury Epigonen aussieht, ist noch nicht einmal das Ausschlaggebende.

Die Location, in der das Ganze stattfindet und die lt. eigener Homepage einen Design Award bekommen hat, versprüht den Charme eines Jugendzentrums, das man mit ein bisschen gewollter Kunst versucht hat aufzuhübschen.

Die Verwalter sind das genaue Gegenteil zur Offenheit, Weiterentwicklung und Spielfreude einiger anderer Pioniere der Industriellen Musik, die ich auch dieses Jahr das Glück hatte in einem wunderschönen Ambiente erleben zu dürfen.

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Zur Ehrenrettung von Peter 'Sleazy' Christopherson - den ich viel lieber noch zu Lebzeiten seines Partners Jhon Balance als 'Coil' gesehen hätte - möchte ich noch anmerken, dass er nach meinem Eindruck ein wohl ebenso netter und warmherziger Mensch wie Steven Stapleton ist - und hier wohl unter seinen Möglichkeiten agiert hat.

Currently playing in the background: Traffic - Berkshire Poppies

21. Juni 09

Meet Yourself In An Envelope

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Currently playing in the background: Mogwai - Stanley Kubrick

Fishing The Argonauts

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Currently playing in the background: Petula Clark - Downtown
... Things are great when you are Downtown ...

My Huckleberry Friend

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Currently playing in the background: Frank Sinatra - Strangers In The Night

Self-Portrait

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Currently playing in the background: Pretty Things - Cries From The Midnight Circus

12. Juni 09

Pokarekare Ana

11. Juni 09

Rakahanga und Taakoka

Ich bin sicher, ich werde - in nicht allzuferner Zukunft und zumindest zeitweise - an Plätzen wie diesen leben. Und das graue, regnerische Deutschland, das meine momentane Traurigkeit noch verstärkt, kann mir gestohlen bleiben.

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"If there is a place where a man can grow old contentedly, it is on some quiet, drowsy atoll, where today is forever and tomorrow never comes; where men live and die, feast and sorrow, while the wind and the waves play over the wet sands and gleaming reefs"
Australian author, Julian Hillas (aka Dashwood)  who lived on Rakahanga during the 1940s

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01. Juni 09

The Last Beat of My Heart

*Was haben Sie denn so über Pfingsten gemacht?*

*Ich habe mir
The Last beat of My Heart zig-mal angehört, weil es so perfekt zu meiner momentanen Stimmung passt. Ich habe geweint und geweint und geweint. Es war wunderwunderschön.*

*Und was machen Sie morgen?*

*Ich werde versuchen, mit einer
anderen, fremden, seltsamen Welt klar zu kommen. Ich weiss aber noch nicht, ob ich es schaffe.*

Thee Lords Of Aircraft

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Currently playing in the background: Jarboe - The Body Lover

31. Mai 09

Geschäftsreisen

Scannen0027 Der Zug ist pünklich und ich erreiche rechtzeitig das erste Meeting in Rotterdam - von Eingeweihten auch Die Stadt der wohlfeilen Angsthasen genannt. Der Chef der Empfangsdelegation begrüsst mich herzlich und wir ziehen uns zur ersten Gesprächsrunde zurück. Danach ist es schon Abend und nach einem ausgedehnten Mahl beginnt das vorbereitete Unterhaltungsprogramm. Mir wird eine junge Polin zugeteilt mit einem Aussehen und Namen, wie sie sich wohl jeder deutsche Spiessbürger vorstellt. Mein Fall ist das eigentlich nicht, jedoch ich bin ja flexibel und sage nicht nein. Nach der üblichen Prozedur - das einzig erwähnenswerte in diesem Zusammenhang sind ihre lila Brustwarzen -  unterhalten wir uns. Nadja erzählt, sie sei nur Gelegenheitsprostituierte. Sie warte immer auf eine Gelegenheit, bei der sie einmal nicht(!) als Prostituierte arbeiten kann. Aber leider sei diese Gelegenheit noch nie gekommen. Sie hat angeblich lange in Nadja Medzilaborce gelebt und dort u.a. als Kassiererin im örtlichen Andy Warhol Family Museum Of Modern Art gearbeitet. Bei dieser Gelegenheit machte sie mit den spärlichen ausländischen Besuchern ihre ersten Erfahrungen in ihrer jetzigen Tätigkeit. Über irgendwelche verschlungenen Pfade wurde sie einmal vom BND angeworben und konnte im Rahmen ihrer Einsätze ihre Erfahrungen und ihr Talent als Gelegenheitsprostituierte einsetzen. Bei einem viermonatigen Einsatz in Nordkorea entkam sie mehrmals nur knapp Verhaftung und sicherem Tod. Sie war ganz auf sich allein gestellt ohne Verbindung zur Aussenwelt und ihrem Dienst.
Bei diesem Punkt der Geschichte wird sie an den nächsten Teilnehmer unserer Tagung weitergereicht und mir wird Nour zugeteilt. Sie ist ein dunkler, arabischer Typ und entspricht schon eher meinen Vorlieben. Ich habe jedoch keine Lust mehr auf die üblichen Sexspielchen und will nur reden. Nour erzählt, sie komme aus Damaskus. Sie war dort mit zwei vielversprechenden Kindern glücklich verheiratet, bevor ihr Mann Achmed sich - aus eigentlich lauteren Motiven, das Geld hatte ihn geblendet - in terroristische Machenschaften verstrickte. Er sorgte im letzten Moment noch dafür, dass die Bombe nicht mit ihrer vollen Wirkung detonierte und rettete dadurch viele Menschenleben. Jedoch er starb an den Folgen der Verstrahlung, die er sich beim Bau der Bombe zuzog. Das warf sie aus der Bahn und brachte sie auf den Weg, den sie jetzt berufsmässig beschreitet. Zwischen den Sätzen schaut sie mit ihren schönen dunklen Augen des öfteren mit einer eigenartigen Traurigkeit in imaginäre Fernen. Dann wird Nour jedoch schnell wieder fröhlich und erzählt z.B., dass sie ein grosser Fan des deutschen Kabarettisten Dieter Nuhr sei. Er sei einer der wenigen Künstler in dieser Sparte, der die - aus ihrer Sicht - richtigen und wichtigen Themen in seinem Programm angehe. Sie kann auch Texte aus seinem Programm zitieren, z.B. diesen hier:

NourWas ich dringend mal sagen wollte, ist: Gewalt ist keine Lösung. Zumindest nicht, wenn man kleiner ist. Ansonsten war in der Menschheitsgeschichte Gewalt natürlich immer eine Lösung. Das finde ich übrigens unerfreulich! Sehr unerfreulich. Es ist aber so. Wenn einem der Keller voll Wasser läuft, hilft es nichts, wenn man beklagt, dass es regnet. Besser ist man erschießt die Wolke.
Bzw. das bringt ja auch nichts. Gewalt ist keine Lösung. Das Problem ist: Das wissen Gewalttäter nicht.
Oder es ist ihnen wurscht.

 Ich erzähle auch etwas über mich. Dass ich erst seit zwei Jahren in meinem Business tätig bin und schon wieder nach etwas Neuem Ausschau halte. Dass ich das mit meinem Job verbundene Reisen mag und auch schon einmal in Damaskus war und dort einen - man kann fast schon sagen - Freund habe. Zufälligerweise heisst er auch Achmed, genau wie ihr verstorbener Mann. Nour meint, dieser Name sei dort nicht unbedingt selten. An dieser Stelle wird auch Nour weitergereicht und beim Abschied flüstert sie mir ins Ohr: Ich mag Deine langen Haare.

Scannen0028 Inzwischen habe ich genug von Sexspielchen und Reden, gehe allein in mein Hotelzimmer und sehe noch ein paar Unterlagen durch, um mich auf meine morgigen Sitzungen vorzubereiten, nicht ohne mir vorher noch einen Rotwein aus der Hausbar und etwas Fernsehprogramm zu genehmigen.

Der nächste Tag vergeht mit routinierten Geschäftsgesprächen und ist nicht weiter erwähnenswert. Nach Beendigung der Konferenz treffe ich auf dem Weg zum Bahnhof Nour wieder. Sie holt sich gerade ein Eis und meint, sie wäre auf dem Weg nach Damaskus und freue sich darauf, endlich einmal wieder mit ihren Verwandten einen Kuchen backen zu dürfen. Kuchenbacken in Damaskus sei inzwischen in das offizielle Besuchsprogramm für - vorwiegend - weisse, männliche Touristen aufgenommen worden. Bei diesen Veranstaltungen könne man viele lukrative Kontakte knüpfen. Zum Abschied wünscht sie mir noch Viel Glück - ganz ohne Modeerscheinungen - was immer das auch bedeuten mag.

Auf der Rückfahrt im Zug trinke ich 2 Flaschen des stärksten Trappistenbieres sowie 2 Flaschen normales Bier. Dabei beobachte ich entspannt die vorüberziehende Landschaft. Auf dem Düsseldorfer Bahnhof spricht mich ein älterer Herr in einem schlecht sitzenden Nadelstreifenanzug an und fragt, ob ich braune Lötkolben kaufen wolle. Ich verneine und frage mich, ob ich ihn nur nicht richtig verstanden habe oder das eine neue Droge ist, die ich noch nicht kenne. Dann verstaue ich meine Reisetasche im Schliessfach und gehe schnurstracks in die Kneipe direkt auf der anderen Strassenseite gegenüber des Haupteingangs. Hier ist es wie immer. Eine noch gar nicht so alte, eigentlich hübsche Frau schaut verstört in der Gegend herum und schimpft mit den - wenigen - Anwesenden. Die Kommunikation erschöpft sich in Ausdrücken wie Arsch ficken und ähnlichem. Ich trinke fortwährend Pils und Killepitsch. Auf einmal betreten zwei junge, schwarze Schönheiten das Etablissement. Eine von beiden mit der Figur und dem Aussehen eines Models - mit üppigen schwarzen Locken. Sie wollen sich zuerst an einen Platz am Fenster setzen, doch als sie mich erblicken, kommen sie herüber und setzen sich direkt neben mir auf eine Eckbank. Natürlich kommen wir ins Gespräch und ich gebe eine Runde nach der anderen aus. Weiterhin Pils und Killepitsch für mich und Weisswein und Jägermeister für Monja und Melissa (so stellen sie sich vor). Kurzzeitig stösst Siggi zu uns, ein netter, einfacher Typ, der die beiden Schönheiten wohl kennt. Siggi und ich verstehen uns auf Anhieb blendend und wir lachen und scherzen. Hinterher wundert sich Linda, dass ich Siggi heute das erste Mal gesehen habe. Sie dachte, wir seien alte Freunde.
In einem derartigen Etablissement scheint es wohl ungeschriebene Regeln zu geben, von denen ich noch nie etwas gehört habe, denn der Wirt meint zu Siggi, er solle die beiden Damen in Ruhe lassen, denn sie hätten zuerst mit mir gesprochen. Ich mische mich nicht weiter ein und Siggi entschuldigt sich und geht wieder an seinen Thekenplatz.

Monja ist die Wortführerin und Aktivere. Melissa, das Model, sitzt manchmal mit einem traurigen, nach innen gekehrten Blick, einfach nur so da. Wir beschliessen, in die Altstadt ins Engel oder Engelchen zu fahren. Ich kenne es unter dem früheren Namen Weisser Bär. Dort ist es ziemlich leer und wir trinken weiter - ich inzwischen nur noch Killepitsch. Wir treffen noch Monjas kleine Schwester, die sich zu unserer Runde gesellt. Melissa und ich kommen uns immer näher und Monja wird ein wenig sauer, da sie mich zuerst gesehen hat, wie mir Melissa hinterher erzählt. Dann wollen die Damen noch in eine kleine Bar direkt um die Ecke. Melissa und ich entscheiden jedoch, dass wir beide zu mir nach Hause fahren. Wir handeln einen Preis aus (handeln ist zu viel gesagt, sie nennt einen Betrag und ich akzeptiere sofort) und setzen uns in ein Taxi. Bei mir zu Hause geht es sofort zur Sache - bei mir funktioniert jedoch nicht alles so, wie ich es mir vorstelle, da ich einfach zu viel getrunken habe. Irgendwann schlafen wir ein und verbringen noch den gesamten nächsten Tag im Bett, abwechselnd schlafend und einfach nur kuschelnd. Ich fühle mich sehr wohl. Zwischendurch rufe ich bei der Fluggesellschaft an und buche meinen eigentlich für heute geplanten Flug nach Nepal auf morgen um.

Beim Frühstückskaffee um halb sechs Uhr abends unterhalten wir uns. Melissa ist nett, intelligent und eine interessante Gesprächspartnerin. Wir sprechen über unsere gescheiterten Ehen und Melissa erzählt, dass sie und ihr Mann ihre 4-jährige Tochter durch einen Unfall verloren haben. Weiterhin erwähnt sie, dass sie oft allein in Cafés sitze und die Menschen beobachte. Manchmal könne man schon am unterschiedlichen Stil der Kleidung sehen, dass ein Paar nicht zusammenpasse oder sich nichts mehr zu sagen habe.
Zum Abschied umarmen wir uns lange und sie drückt mich fest an sich. Danke, Melissa.

Ich lege mich sofort wieder ins Bett und schlafe bis zum nächsten Morgen durch. Noch ganz in einer anderen Welt gefangen, habe ich Schwierigkeiten, mich auf die bevorstehenden Geschäftstermine zu konzentrieren. Ich fahre zum Flughafen und steige in meinen Flieger. Die Zeit während des Fluges vertreibe ich mir mit der Lektüre zweier Bücher des Philosophen und Starkochs Franko Bekusso:  Die Kunst, Wasser in Sosse zu verwandeln und Das Wasser - Wein - Kontinuum. Nach 18 Stunden (incl. Zwischenstopps) lande ich in Kathmandu. Im Guest House mit Blick auf den Swayambhunath Stupa lasse ich erst einmal die neue Welt auf mich wirken. Ich denke an meinen letzten Aufenthalt in Kathmandu vor ca. 15 Jahren. Ich besuchte u.a. das damals noch im Bau befindliche Kloster Lopön Tchechu Rinpoches. Mir wird ganz warm ums Herz, als ich daran denke, wie wir von Lama Kaltsang zum Essen eingeladen wurden und anschliessend zu Rinpoche durften und Segen von ihm bekamen. Der Besuch Kathmandus erfolgte als Abstecher während meines Aufenthaltes in Delhi im Rahmen des ersten öffentlichen Auftritts des 17. Karmapas.

Dann bereite ich mich auf mein Treffen mit dem der maoistischen Partei angehörenden Informationsminister Nanga Parbat vor. Das ist in den Wirren nach dem vor kurzem erfolgten Rücktritt des maoistischen Regierungschefs keine leichte Aufgabe. Ich bin jedoch - wie immer - guten Mutes. Neben den geschäftlichen Angelegenheiten möchte ich den Minister fragen, wie seine Partei mit der überall im Lande anzutreffenden Religiosität und den heiligen Stätten sowie dem tief im Volk verwurzelten buddhistischen und hinduistischen Glauben umgeht.
Herr Parbat wurde zu der Zeit, als die Maoisten noch im Untergrund gegen die Regeirung und die Monarchie kämpften, der singende Rebellenpoet genannt, da er neben seinem Dienst an der Waffe noch Zeit fand, die kommunistische Revolution verherrlichende Verse zu schreiben und sie auch persönlich vortrug, z.B. diesen hier:

unsere Freunde / unsere Waffen und der Bauer
unsere Feinde / der König und die Bourgoisie
unser Ziel / Nieder mit dem König - Freiheit für den Bauer!

Vor unserem Treffen mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Swayambhunath Stupa. Ich steige die Stufen hoch und erfreue mich an den dort lebenden Affen, die alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Nach einer Stunde meditativen Verweilens mit Blick auf Kathmandu fahre ich mit dem Taxi zum Regierungssitz. Kurz vor meinem Eintreffen im Regierungspalast kommt mir plötzlich Melissa in den Sinn und ich lächle unvermittelt.

Currently playing in the background: बल्लै भो भेट, हाँसि देउ बोलि देउ

Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

Mein gestriger Einkauf beim Stern Verlag als Futter für ein langes Pfingstwochenende (grösstenteils Sonderangebote - insgesamt nur 50 EURO):

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Currently playing in the background: Renée Franke - Columbus Boogie


Als Columbus Land sah
und viel Volk am Strand sah
riefen alle ihm gleich zu: *How do you do?*
und Columbus grüsste
rüber zu der Küste
denn im Ufer am Kanu sass Winnetou
*Europäer, komm' doch näher und ergreife Friedenspfeife
wir sind Freunde, keine Feinde,
Gott sei Dank, dass wir entdeckt sind*
(...)


26. Mai 09

Melly Shum Hates Her Job

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Currently playing in the background: Troggs - Strange Movie

Zimmer 5097

Es war wie immer. Oder wie meistens. Ich brauchte in erster Linie nur zu beobachten: Wann erfolgt der Schichtwechsel im Hotel? Welches Objekt ist am besten geeignet?
Es hilft, die Opfer als Objekte zu bezeichnen. Obwohl (oder gerade weil) sie genauso atmen, die selben Sorgen und Noete haben wie Du und Ich. Ich entscheide mich fuer eine der grauesten Maeuse, die mir je ueber den Weg gelaufen sind. Fuer einen Anzugtraeger, der dieses Kleidungsstueck ausschliesslich aus dem Grunde traegt, um bestimmte oberflaechliche Erwartungen zu erfuellen. (Ganz im Gegensatz zu mir. Aber das nur am Rande.) Tausende von Menschen in Jeans und T-Shirt haben mehr Stil als diese Sorte Anzugtraeger. Armselige Kreaturen. Ich hoffe, dass die von mir ausgewaehlte Kreatur ein gutes Leben gefuehrt hat, so dass sie jetzt die Engel singen hört statt die Teufel heulen.
Nachdem die graueste aller Maeuse atemlos mit dem Kopf nach unten im Wasser treibt und ich mir das genommen habe, worauf es ankommt, gehe ich zum Hotel. Direkt daneben steht eine Kirche. Vor ihr steht ein Pulk dieser seltsamen Menschen, die ich immer noch nicht einordnen kann. Sie haben lange oder kurze haare, Baerte oder auch keine. Und kleiden sich sehr uniformiert. Zumeist schwarz, vielfach ungepflegt. Ein Plakat wiest auf irgendeine Veranstaltung hin, die wohl in der Kirche stattfindet. Irgend etwas mit Sunn O. Sun schreibt man doch mit nur einem 'N', soweit ich weiss. Seltsame Welt. Zum Glueck habe ich damit nichts zu tun. So soll es auch bleiben. Ich kuemmere mich lieber ums Geschaeft.

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Also betrete ich die grosszuegige Lobby des Hotels. Der Schichtwechsel ist schon erfolgt. Ich gehe zur Rezeption, hole die Codekarte der irgendwo kopfunter im Wasser treibenden grauen Maus heraus und sage: Ich habe meine Zimmernummer vergessen. Mueller ist mein Name. Der Rezeptionist antwortet freundlich: Einen Moment bitte, drueckt ein paar Tasten und sagt: Zimmer 5097. Ich bohre nach: Welches Stockwerk ist das? Das 5.? Der Rezeptionist ist immer noch freundlich und schoepft keinerlei Verdacht: Nein, das 9. Der Aufzug ist gleich um die Ecke. Ich öffne Zimmer 5097 und stelle fest, dass ich es gut getroffen habe. Eine grosse, verglaste Fensterfront mit einem Blick über fast die gesamte Stadt. Ich bin in meinem Hafen fuer die kommende Nacht eingelaufen.
Die Hausbar enthaelt nur ein einziges, winziges Flaeschchen Rotwein. Ich lasse mir noch 2 weitere kommen und geniesse die Aussicht. Das (mir zu Ehren vorgetragene?) Unterhaltungsprogramm ist ganz nach meinem Geschmack. Ein Gewitter zieht auf und zuckende Blitze erhellen den Nachthimmel über Rotterdam. Ich trinke meinen Rotwein, knabbere dazu Nuesse und denke an meine weiteren Aufgaben. Morgen früh geht mein Flieger nach Damaskus. Achmed wird auf mich warten und mich mit seiner ungekuenstelten Herzlichkeit empfangen. Natürlich nicht, bevor alle Codes ausgetauscht und Vorsichtsmassnahmen eingehalten wurden. Wir werden zusammen einen Tee oder einen Wein trinken und und seine Frau wird uns Gesellschaft leisten. Es wird fast so scheinen, als waere es nur Vergnuegen. Doch irgendwann auf der Reise werde ich meine praezisen Instruktionen bekommen. Meiner Freundschaft mit Achmed und seiner Frau hat das jedoch noch nie Abbruch getan. Er kennt das Geschaeft inzwischen fast so gut wie ich. Ich freue mich schon darauf, aller gefahren zum Trotz, die auf mich (uns) lauern.

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Currently playing in the background: Sparks - Mickey Mouse

25. Mai 09

Uns fällt immer was ein